Amalgamentfernung wird bei immer mehr Patienten zu einem wichtigen Thema.
Vor mehreren Jahrzehnten wurden die silbrigen Amalgamfüllungen, gern und häufig von Zahnärzten, gelegt. Mittlerweile liegt in der Schweiz die Verwendung von Amalgam bei unter 1%.

In diesem Artikel finden Sie alle wichtigen Informationen zu dem Thema Amalgam, damit Sie sich einfacher für oder gegen eine Amalgamentfernung entscheiden können.

Amalgam und Abgabe von Quecksilber


Das Amalgam besteht zu 50% aus Quecksilber, einem hochgiftigen Element. Genauer gesagt handelt es sich bei dem Schwermetall Quecksilber um das Element mit der höchsten Toxizität.

Das Quecksilber gelangt auf unterschiedlichen Wegen in den Körper:

1. Verdampfung

Durch warme Getränke und Speisen werden die Amalgamfüllungen erwärmt und beginnen zu verdampfen. Dies wurde festgestellt und dokumentiert, indem das Amalgam mit UV-Licht beleuchtet wurde. Da Quecksilber die unverwechselbare Eigenschaft besitzt, die Wellenlänge von 254 nm zu absorbieren, konnte ein dampfender Schatten, ausgehend von der Amalgamfüllung, gesehen werden.

Bei steigender Erwärmung erhöht sich die Abgabe der Quecksilber-Moleküle. Bei der Verdampfung erfolgt die Aufnahme hauptsächlich über das Einatmen in die Lunge.

2. Abrieb

Durch jegliche Art von Reibung, gelangen feine Amalgam-Partikel aus der Füllung.
Je stärker die Reibung, desto stärker der Abrieb.

Ein Beispiel: Wenn man mit einem Polierkelch aus Gummi und einer weissen Zahnpasta über eine Amalgamfüllung poliert, färbt sich diese grau. Die Partikel sind klar anhand der Farbänderung ersichtlich. Dies sollte bei einer Dentalhygiene stets berücksichtigt werden.

Auch beim Essen, Zähneputzen und Zähneknirschen werden feine Partikel in die Mundhöhle abgegeben und gelangen bevorzugt in den Magen-Darm-Trakt.

Eine extreme Form des Abriebs findet bei einer unsachgemässen Amalgamentfernung statt. Dabei kann die Quecksilberbelastung des Patienten sehr hoch ausfallen und zu gesundheitlichen Folgen führen.

3. Korrosion

Der Speichel ist eine salzhaltige Lösung und verursacht eine Korrosion/Rostprozess bei Metallen. Das ist bei Amalgam nicht anders. Dabei werden Bestandteiles des Amalgams, darunter auch Quecksilber, in ionischer Form in den Speichel abgegeben. Es kommt zur Aufnahme über die Mundschleimhaut und über den Magen-Darm-Trakt.

Sofern zusätzlich andere Metalle in der Mundhöhle vorhanden sind, z.B. Titan oder Gold, wird die Korrosion verstärkt. Es bildet sich ein sogenanntes galvanisches Element, wie bei einer Batterie. Dabei geben die beteiligten Metalle noch mehr Ionen in den Speichel ab, wodurch die Belastung stark ansteigt.

Gesundheitliche Auswirkungen von Amalgam


Das austretende Quecksilber wirkt auf toxischer und immunologischer Ebene belastend für die Gesundheit. Je älter die Amalgamfüllung, desto rauer die Oberfläche und desto mehr Porositäten und Risse sind vorhanden. Dadurch nimmt die gesundheitliche Belastung von Amalgam mit dem Alter der Füllung zu.

 

1. Toxische Belastung

Quecksilber ist in der Lage, verschiedene Proteine, Enzyme und Nukleotide zu blockieren und in ihrer Funktion zu verändern.
Zusätzlich wird das lebensnotwendige Spurenelement Zink sehr effektiv durch Quecksilber verdrängt.
Des Weiteren erhöht Quecksilber den oxidativen Stress, wodurch die toxische Belastung weiter verstärkt wird.
Die toxische Wirkung kann dabei in jedem Gewebe und Organ stattfinden und die Körperfunktionen massiv behindern.

2. Immunologische Belastung

Quecksilber kann sich an die verschiedenen körpereigenen Proteine binden und die Struktur verändern. Diese veränderte Proteinstruktur wird von dem Immunsystem als Fremdkörper erkannt, woraufhin entzündungsfördernde (pro-inflammatorische) Immunbotenstoffe gebildet werden. Das Immunsystem wird aktiviert und es kommt zu einer generalisierten Entzündung.

Zusätzlich werden die eigenen, durch Quecksilber formveränderten Proteine von dem Immunsystem angegriffen. Der Angriff erfolgt durch Auto-Antikörper, also Antikörper, die gegen den eigenen Körper gerichtet sind. Dies führt zur Ausbildung unterschiedlicher Autoimmunreaktionen.

Auswirkungen von Amalgam

Herstellung und Verwendung von dentalen Amalgamen


Immer mehr grosse Firmen des Dentalmarktes steigen Schritt für Schritt aus dem Amalgam-Geschäft aus. So verabschiedeten sich im Jahre 2022 die Firmen Dentsply Sirona und Kerr von dem Amalgam-Verkauf.

Die Amalgam-Herstellung und die -Verwendung in den Zahnarztpraxen nehmen Jahr für Jahr stetig ab.

Im Jahre 2017 trat das Minamata-Abkommen in Kraft, welches von 140 Ländern unterzeichnet wurde. Dort wird der schrittweise Verzicht auf dentales Amalgam geregelt. Momentanes Ziel ist die vollständige Beendigung bis zum Jahre 2030.

Schweiz
Die schweizer Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung nimmt zu dentalen Amalgamen folgendermassen Stellung: “Verboten ist die Verwendung von Dentalamalgam, wenn aus medizinischen Gründen einem anderen Füllungsmaterial der Vorzug gegeben werden kann.” In den schweizer Zahnarztpraxen fällt die Verwendung von dentalen Amalgamen auf unter 1%. Das bedeutet, bei 1000 gelegten Füllungen bestehen weniger als 10 aus Amalgam.

Deutschland
Auch in Deutschland nimmt die Verwendung von dentalen Amalgam ebenfalls langsam ab. Laut dem european center for environmental medicine liegt die Verwendung aber immer noch bei unter 10%, und somit wesentlich höher als in der Schweiz. Folglich entscheiden sich Zahnärzte bei 1000 Füllungen, in unter 100 Fällen für den quecksilberhaltigen Werkstoff.

Grund für die höhere Verwendung:
Wenn ein Seitenzahn eine Füllung benötigt, dann übernimmt die deutsche Krankenkasse lediglich die Kosten für eine Amalgamfüllung. Wenn der Patient eine zahnfarbene Füllung aus Komposit möchte, muss der Patient den preislichen Aufschlag in den meisten Fällen selber tragen. Da viele Patienten nicht bereit sind, die zusätzlichen Kosten zu übernehmen, fällt die Entscheidung auf das Amalgam.

Sichere Amalgamentfernung


Sofern man sich dazu entscheidet, die alten Amalgamfüllungen entfernen zu lassen, sollten unbedingt die korrekten Schutzmassnahmen und das biologische Konzept beachtet werden.
Eine Amalgamentfernung ohne Schutz kann den betroffenen Patienten mit hohen Konzentrationen von Quecksilber belasten und bleibende Schäden hervorrufen.

Schutzmassnahmen:

  • Korrekte Technik bei der Entfernung. Die Amalgamfüllung wird dabei vollständig in einem Stück herausgeholt. Dadurch kann die Exposition mit Quecksilber auf einen kleinen Bruchteil reduziert werden.
  • Intraoraler Sauger, welcher um den betroffenen Zahn gestülpt wird und diesen vollständig umfasst (Clean UP Sauger). Dabei ist auf eine zentrale Saugmaschine mit hoher Leistung zu achten.
  • Kraftvolle Absaugung ausserhalb der Mundhöhle, wodurch der Luftstrom vom Patienten weggeführt wird.
  • Dicht anliegender Nasenschutz mit Goldbeschichtung für den Patienten. Das Gold kann die möglichen Quecksilber-Dämpfe effektiv binden und festhalten. So wird verhindert, dass gefährliche Dämpfe in die Atemwege gelangen. Auch Zahnarzt und Helferin tragen einen goldbeschichteten Mundschutz. Alternativ können auch FFP3-Masken verwendet werden, welche jedoch einen schlechteren Filtrationswert aufweisen.
  • Kofferdam ist ein Spanngummi aus Latex oder Nitril und wird um den Zahn gespannt. Da Kofferdam sowohl Vorteile als auch Nachteile hat, wird die Verwendung individuell entschieden.

Amalgamsplitter im Kieferknochen


Leider kommt es häufig vor, dass Patienten mit früheren Amalgamfüllungen auch Amalgam im Kieferknochen aufweisen. Diese gelangen auf unterschiedlichem Wege in das Gewebe:

  1. Beim unkorrekten Entfernen der Amalgamfüllungen können kleine Splitter mit hoher Geschwindigkeit in das Gewebe geschleudert werden.
  2. Bei Entfernung von Zähnen mit Amalgamfüllungen, können Fragmente des Amalgams in das offene Zahnfach fallen und dort verbleiben.
  3. Bei Zahnentfernung können auch Teile der benachbarten Amalgamfüllung abbrechen und in die offene Wunde hinein gelangen. Dies geschieht, indem die Extraktionszange oder der Hebel an dem Amalgam reibt und drückt.

Amalgamsplitter im Gewebe können eine massive Belastung für die Gesundheit darstellen und sollten schonend entfernt werden.

Amalgam entfernen oder belassen?


Ob man das Amalgam entfernen oder belassen möchte, muss jeder Betroffene selbst entscheiden.
Für die Amalgamentfernung spricht definitiv die gesundheitliche Seite. Die Wahrscheinlichkeit, chronische Beschwerden zu entwickeln, ist mit Amalgamfüllungen signifikant höher.

Für das Belassen der Amalgamfüllungen spricht, dass der Werkstoff sehr langlebig ist. In der Tat gibt es nur wenige Werkstoffe, die mit der Langlebigkeit von Amalgam mithalten können. Die enorme Haltbarkeit ist gleichzeitig ein Nachteil, weil die Belastung mit Quecksilber über viele Jahrzehnte stattfinden kann.

Langlebige, gesunde Alternative zu Amalgam


Wer auf die hohe Langlebigkeit und Haltbarkeit nicht verzichten möchte, sollte sich bei der Wahl des Materials für Keramik entscheiden.
Keramische Füllungen bzw. Keramikinlays zeigen beste biologische Verträglichkeit und können Amalgamfüllungen von der Langlebigkeit übertreffen.

Je nach individueller Situation kann entschieden werden, ob Zirkonoxid oder Hybridkeramik verwendet werden. Auch bei der Befestigung kann individuell ein adhäsiver Verbund mit dünnfliessendem Komposite oder eine Klebeverbindung mit Zement ausgewählt werden.

Durch unser praxisinternes Zahntechniklabor kann der keramische Ersatz, genau nach Patientenwunsch, in derselben Sitzung durchgeführt werden.
So werden die Amalgamfüllungen unter Schutz entfernt und die keramischen Füllungen am gleichen Tag eingesetzt.

Langlebige gesunde Alternative zu Amalgam

Nach der Amalgamentfernung – die Ausleitung von Quecksilber


Nachdem die Amalgamfüllungen sicher entfernt und durch Keramik oder Komposit ersetzt wurden, kann der Körper wieder schrittweise entgiftet werden.

Solange das Amalgam in der Mundhöhle vorhanden ist, ist eine Ausleitung nicht möglich und teilweise gefährlich, weil es zu einer Umverteilung von Giftstoffen kommen kann.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Amalgamausleitung.
Die effektivste Ausleitung kann mit Hilfe von Chelatbildnern wie DMPS, DMSA oder EDTA durchgeführt werden. Aber auch natürliche Substanzen wie Alpha-Liponsäure oder Glutathion zeigen gute entgiftende Eigenschaften bei Quecksilber.

Generell sollte die Ausleitung immer durch einen erfahrenen Therapeuten begleitet und kontrolliert werden.

FAQs zum Thema Amalgamentfernung


Was ist der Unterschied zwischen Amalgamentfernung und Amalgamsanierung?
Sowohl der Begriff Amalgamentfernung als auch Amalgamsanierung beschreiben ein und dasselbe – die komplette Entfernung von Amalgam aus den Zähnen und dem Gewebe.
Wie wird das Amalgam entsorgt?
Amalgam wird als gefährlicher Sonderabfall klassifiziert und entsprechend in speziellen Behältern gesammelt und an spezialisierte Entsorgungsunternehmen abgegeben.
Wie wird verhindert, dass das Amalgam nicht in das Abwasser gelangt?
Das Abwasser von allen Zahnarztstühlen muss von einem Amalgamabscheider gefiltert werden. Das gefilterte Wasser gelangt dann in die Abwasserleitungen.
Sind Amalgamfüllungen in toten Zähnen gefährlicher?
Körpereigene Bakterien wandeln das anorganische Quecksilber in noch giftigeres organisches Methyl-Quecksilber um. In den mikroskopischen Kanälchen der toten Zähne nisten sich verschiedene Keime ein, welche den Prozess der Methylierung zusätzlich beschleunigen.
Amalgamentfernung vor der Schwangerschaft sinnvoll?
Ja, viele Ärzte empfehlen es, das Amalgam vor einer geplanten Schwangerschaft entfernen zu lassen. Der Grund ist die hohe Plazentagängigkeit von Quecksilber – also der Übertritt von Quecksilber über die Plazenta an das Embryo.
Amalgamentfernung während der Schwangerschaft sinnvoll?
Nein, während der Schwangerschaft sollte darauf verzichtet werden, da trotz höchsten Schutzmassnahmen, eine Belastung nie zu 100% ausgeschlossen werden kann.
Amalgamentfernungen während der Stillzeit sinnvoll?
Nein, auch bei stillenden Müttern sollte eine Amalgamsanierung unterbleiben. 
Das Quecksilber kann mühelos in die Muttermilch übertreten und den Säugling belasten.
Was sollte bei der Dentalhygiene beachtet werden, wenn man Amalgamfüllungen hat?
Jede Art von Reibung kann Partikel aus dem Amalgam herauslösen. So ist es auch bei der Dentalhygiene. Beim Polieren mit der Polierpaste oder mit einem Gummipolierer wird Quecksilber in die Mundhöhle abgegeben. Genauso verhält es sich beim Ultraschall- und Pulverstrahlgerät und sollte stets beachtet werden.
Können Amalgamsplitter im Gewebe eine Ausleitung von Schwermetallen beeinträchtigen?
Ja, so lange sich Amalgam in den Zähnen oder im Gewebe befindet, ist die Schwermetallausleitung nicht möglich.
Wie können Amalgamsplitter diagnostiziert werden?
Metallische Splitter lassen sich am besten röntgenologisch, mit einem DVT oder CT (Computertomographie) vom Kopf diagnostizieren.
Wie kann eine Amalgambelastung getestet werden?
  • Speicheltest
  • Provokationstest bzw. Mobilisationstest mit DMPS
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